Ein Hotel im Wasserturm

Das Mövenpick Hotel Hamburg im Sternschanzenpark

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Wasserturm Sternschanze - Teil 1

Aus dem Buch: "Wassertürme in Hamburg"
Autor: Jens U. Schmidt
Erscheinungsdatum: Dezember 2003

Nachdem wir in der Chronologie des Wasserturmbaus die damaligen Nachbarorte Hamburgs abgegrast haben, kommen wir zurück in die Hansestadt, in der in der Zwischenzeit bedingt durch die Bebauung höher gelegener Stadtteile und der Errichtung höherer Häuser der Bedarf an weiteren Wassertürmen entstanden ist. Die Überschrift Sternschanze ist eigentlich nicht richtig, da es sich dabei um keinen Stadtteil Hamburgs handelt. Da aber der Wasserturm so eng mit dem Sternschanzenpark verbunden ist, wurde das Kapitel nicht mit Eimsbüttel überschrieben.

Der Name Sternschanze geht auf eine sternförmige Festung zurück, die vom schwedischen Ingenieuroffizier Jacob von Kemphe im Dreißigjährigen Krieg auf dem Hügel vor den Toren Hamburgs erbaut worden war. Die Schanze bestand aus acht Erdwällen von je 60 m Länge und 4,5 m Höhe, die in vier spitzen Winkeln zueinander standen und von einem lediglich 1,4 Meter tiefen, aber 18 Meter breiten, trockenen Graben umgeben waren. An den vier geschützten, innen liegenden Winkeln standen je 4 Kanonen, also 16 insgesamt. Durch ihre niedrigen Wälle hatte die Sternschanze ein sehr unscheinbares Äußeres und verführte den Dänenkönig Christian V. bei der Belagerung Hamburgs 1686 zu der unvorsichtigen Einschätzung "daß dieselbe mit einem Stecken in der Hand wohl eingenommen werden könnte, es bedürfe nicht viel Wesens dazu". Sein Angriff auf die Sternschanze endete mit einer blutigen Niederlage, die ihm den sicher geglaubten Sieg über Hamburg wieder entriss. 1804 schliffen die Hamburger selbst die Festung, damit sie den Franzosen während der Napoleonischen Kriege nicht in die Hände falle.

Eine Bedeutung für die Wasserversorgung hatte der Hügel bereits seit 1864. In diesem Jahr war ein dritter Wasserhochbehälter neben Stintfang und dem Turm am Berliner Tor gebaut worden mit einem Speichervolumen von 6.000 m3. Ein Journalist der Hamburger Nachrichten berichtete am 10. August 1909: "Wir haben auch diesem alten Bauwerk einen Besuch abgestattet und haben mit leisem Schaudern die eiskalte Luft dieses unterirdischen Kellers über unsere Körper streichen lassen. Oben eine fast tropische Hitze, unten Gletscherkälte. Ein Temperaturunterschied, der bei nicht ganz taktfesten Menschen eine schwere Erkältung nach sich ziehen kann."

Ein ausgeklügeltes System versorgte bis 1908 das so genannte Niederdruckgebiet kontinuierlich 22 Stunden am Tag mit Wasser. Zu diesem Gebiet zählten alle Gebäude mit einer Höhe von bis zu 12 m über dem Wasserspiegel der Elbe. In die Hochdruckzone wurde das Wasser mit erhöhtem Druck in der Zeit zwischen 3 und 5 Uhr morgens gepumpt, wo es in den Häusern angebrachte Wasserbehälter füllte. Dieses System und die unhygienischen Hausbehälter machten eine grundsätzliche Modernisierung der Wasserversorgung notwendig. Durch neue Pumpen wurde ein höherer und für die kontinuierliche Wasserlieferung beider Zonen ausreichender sicher gestellt. Damit mussten die drei alten, zu niedrig liegenden Hochbehälter still gelegt werden.

Aufgrund der Größe des Versorgungsgebiets und der Gefahr eines Wassermangels an heißen Sommertagen oder bei Betriebsstörungen hielt man den Bau von Wassertürmen mit ausreichender Höhe für erforderlich. Da die Wassertürme an exponierter Lage in der Stadt stehen sollten und aufgrund des geforderten Speichervolumens sehr mächtig ausfallen mussten, schrieben die Wasserwerke einen Wettbewerb aus. Gefordert waren schlichte, aber dennoch in repräsentativem Stil entworfene Bauten aus rotem Ziegelmauerwerk, gegebenenfalls mit teilweise verputzten Flächen. Die Konkurrenz-Nachrichten veröffentlichten die Ergebnisse des Wettbewerbs am 21.März 1907, bei dem allein 135 Entwürfe für den Sternschanzenturm eingegangen waren. Viele der später zusammen mit der Entscheidung des Preisgerichts veröffentlichten Entwürfe muten phantastisch an, und jeder Wasserturmfreund würde sich wünschen, sie wären umgesetzt worden.

Leider jedoch spielte das Geld wieder die entscheidende Rolle, vielleicht auch persönliche Beziehungen. Jedenfalls entschieden die Wasserwerke, dass die Realisierung der mit dem ersten und zweiten Preis bedachten Entwürfe zu teuer geworden wäre, so dass man die Umsetzung des Vorschlags des dritt platzierten Architekten Wilhelm Schwarz aus Hamburg vorsah, der "zufällig" im Dienste der Wasserwerke stand.

Der Erdbehälter sollte zunächst abgerissen werden. Er erwies sich allerdings als so stabil, dass er erhalten blieb und der Turm auf die vorhandenen Betonplatte quasi in den Behälter hineingebaut wurde. Zum Transport des Baumaterials wurden zwei 65 m lange Gleise gelegt, auf denen auf von einer elektrisch betriebenen Winde gezogene Wagen jeweils 7.500 kg transportieren konnten.

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