Ein Hotel im Wasserturm

Das Mövenpick Hotel Hamburg im Sternschanzenpark

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Wasserturm Sternschanze - Teil 2

Aus dem Buch: "Wassertürme in Hamburg"
Autor: Jens U. Schmidt
Erscheinungsdatum: Dezember 2003

Für den Geschmack der Zeit waren auskragende Turmköpfe unschön. Bei dem Sternschanzenturm kam hinzu, dass er zwei übereinander angeordnete Behälter mit einem Fassungsvermögen von jeweils 2.300 m3 enthielt, oberster Wasserstand bei 60,5 m bzw. 48,5 m über N.N.. Demnach wurde eine einfache Außenlinie und ein andere Stützkonstruktion als in anderen Türmen gewählt. Sie besteht aus 24 rund 17 m hohen Betonpfeilern, auf denen der untere Behälter aufliegt. Der obere Behälter wiederum ist mit Stahlstützen auf dem unteren befestigt. Diese Konstruktion hätte einer Erhöhung des oberen Behälters mit relativ geringem Aufwand möglich gemacht. Die Pfeiler und der Raum oberhalb der Stützkonstruktion bis zum Galerieumgang ist mit Backsteinen ausgemauert. Der Galerieumgang und das an der Spitze 59 m hoch über dem Gelände endende zeltförmige Dach waren ursprünglich mit Kupfer gedeckt. Form und Größe des Turms und der Behälter orientierten sich auch an der Forderung, dass der Höhenunterschied des Wasserspiegels nicht mehr als 6 m betragen durfte. Deshalb nietete man aus 10 bis 14 mm dicken Blechen einen 25 m durchmessende Behälter mit einem kugelförmig gekrümmten Boden und einem 2,7 m hohen zylindrischen Abschnitt. Die durch diese Behälterform entstehenden Zugspannungen glich man durch einen Auflagering aus, der flexible Kipplager enthielt und sich so bei Druckschwankungen bewegen konnte. Über den unteren Behälter führt eine Brücke, von der aus die Ventile des oberen Behälters bedient werden konnten. Unterhalb des oberen Behälters ist eine rund herum fahrbare, der Behälterform angepasste Arbeitsbühne montiert, um Arbeiten an der Behälterwand vornehmen zu können.

Bei den Rohrleitungen hatte man sich ebenfalls eine besondere Konstruktion ausgedacht. Das Zuleitungsrohr endete nach einem Gelenk in einem beweglich angebrachten Rohr mit einem Schwimmer am Ende. So musste der Pumpendruck das Wasser nur auf die Höhe des jeweiligen Wasserstandes heben, wurde jedoch von oben zugeführt, während der Ablauf am Behälterboden lag. So wurde gewährleistet, dass das zuerst zugeflossene "alte" Wasser zuerst wieder ins Netz gelangte.

Der Turm war gleichzeitig als Aussichtsturm konzipiert, wobei sich heute nicht mehr ermitteln lässt, wie lange er diese Funktion inne hatte. Der Journalist der Hamburger Nachrichten, der den Turm schon während der Bauzeit bestieg, war begeistert: "Und da müssen wir gestehen, dass uns das herrliche Panorama doch weit mehr gefangen hielt als der Turm. Falls später einmal jemand den gewaltigen Riesen besteigen will, so empfehlen wir ihm den Rundgang auf der Galerie: es ist ein unvergleichlich schöner Anblick, den man selbst von unserem "Michel" nicht genießen kann." Der Aufstieg erfolgt über eine Wendeltreppe mit 181 Stufen in einem seitlich angebrachten Treppenturm, durch den Besucher bis zur Aussichtsgalerie gelangen konnten, ohne den Behälterraum betreten zu müssen. Der Zugang zur Aussichtsplattform war offenbar anfangs kostenlos und jederzeit möglich.

Nachdem der Wasserturm im Jahr 1910 mit Baukosten in Höhe von 697.000 Goldmark fertiggestellt worden war, konnte das Netz wieder in eine Hoch- und eine Niedrigdruckzone aufgeteilt werden, in die jeweils einer der beiden Behälter eingebunden war. Anfangs funktionierte das reibungslos. Bei geringer Wasserentnahme während der Nachtstunden füllten sich die Behälter, im Laufe des Tages leerten sie sich langsam. Durch die rasante Ausdehnung des Leitungsnetzes, die zunehmenden Reibungsverluste und die Brennstoffknappheit kam es allerdings bald zu Schwierigkeiten. Der Pumpendruck wurde aus diesen Gründen nachts gesenkt, so dass die Wassertürme nicht mehr gefüllt werden konnten. Sie wurden daher ganz aus dem Netz genommen. 1924 wurden die beiden Druckzonen zusammengeschlossen, was mit den neu eingebauten Pumpen möglich war. Der insgesamt aber niedrigere Pumpendruck reichte nicht mehr zur Füllung der Behälter aus, die allerdings als Reserve und zum Ausgleich unterschiedlicher Entnahme sehr nützlich gewesen wären. Die Lösung bestand im Einbau vom Pumpen in dem Turm. Heute zeugen noch die an moderne Plastiken erinnernden riesigen Rohrgebilde im Erdgeschoss des Turms davon. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Tiefbehälter wieder reaktiviert. Nachts bei niedrigen Verbrauch floss das Wasser vom unteren Turmbehälter in den Tiefbehälter und trieb dabei eine Turbine an, die Wasser aus dem Netz in den oberen Behälter beförderte. Am Tage bei großem Wasserverbrauch floss das Wasser vom oberen in den unteren Turmbehälter und von dort ins Netz. Gleichzeitig beförderten Kreiselpumpen Wasser aus dem Tiefbehälter ins Netz.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörte im Jahr 1943 ein Bombentreffer Teile des Dachs und erschütterten die Behälterkonstruktion. Nach dem Krieg wurde das Dach notdürftig repariert, 1958 mit Schiefer neu gedeckt. Schon 1945 konnte der Turm wieder in Betrieb gehen. 1956 wurde der Wasserturm durch die Modernisierung der Versorgungsanlagen überflüssig, so dass er zunächst aus dem Netz genommen und schließlich 1961 endgültig außer Betrieb gesetzt wurde. Damit begann dann die über vierzig Jahre währende Geschichte der Umnutzung des Bauwerks, die vielleicht wirklich im Jahr 2004 mit einem Hotelumbau enden wird, bei dem leider nur die Außenhülle erhalten bleibt.

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